Mit dem letzten Aufgebot zur weitesten Auswärtsfahrt

Romy

Mit dem letzten Aufgebot zur weitesten Auswärtsfahrt

Hiobsbotschaften vor dem Anpfiff – Schon vor dem Spiel war mir klar: Das wird heute ein Kraftakt, emotional wie körperlich. Meine Mädels liefen seit Tagen auf dem sprichwörtlichen Zahnfleisch. Und als wäre es nicht schon schwer genug, kamen in der Trainingswoche vor dem wichtigen Duell beim punktgleichen Tabellennachbarn weitere Hiobsbotschaften: Lisa Görner fiel als wichtige Stütze aus, Celine Kister schleppte sich angeschlagen durch die Woche und Nele Peter stand ebenfalls nicht zur Verfügung. Zudem fehlten uns weiterhin andere wichtige Akteure. So machten wir uns mit gerade einmal sieben Feldspielerinnen und einer Torhüterin auf die weiteste Auswärtsfahrt der Saison. Viele meiner Spielerinnen tragen schon seit Monaten eine enorme Last – und trotzdem ziehen sie jedes Training und Wochenende tapfer durch. Dass dann auch noch unsere Co-Trainerinnen Carolyn Küchler und Melanie Martin, kaum zurück aus der Babypause, ins kalte Wasser mussten, beschreibt die Situation wohl am besten.

Starker Start – und dann der schmerzhafte Bruch.

Trotz allem begannen wir mutig, frei und mit viel Herzblut. Die ersten sieben Minuten gehörten uns – beim 6:5 war die Stimmung kämpferisch, voller Willen und Power. Doch dann kam dieser Moment, in dem man spürt: Jetzt kippt das Spiel. Bischofswerda stellte auf eine offensive 5:1-Abwehr um – und wir fanden einfach nicht den Mut, die nötige Konsequenz oder die klaren Entscheidungen. Wir prellten zu viel, passten ungenau, fanden die Lücken nicht. Und jeder Ballverlust traf uns wie ein kleiner Stich. Die Gastgeberinnen nutzen das gnadenlos. Acht Gegentore in Folge – und plötzlich stand es 14:5. Man konnte den Frust in den Gesichtern meiner Mädels sehen. Nicht, weil sie nicht wollten. Sondern weil sie trotz all ihrer Kraft nicht hinterherkamen.

Stabilisierung und Kampfgeist bis zur Halbzeit- Doch Aufgeben? Das ist nicht unsere Art. Und genau das hat mich stolz gemacht. Nach dem Tiefschlag kämpften wir uns zurück ins Spiel, stabilisierten uns und hielten den Rückstand bis zur Pause bei 23:15. Natürlich sind 23 Gegentore in einer Halbzeit völlig überzogen – das wissen wir alle. Aber was ich gesehen habe, war nicht aufgeben. Herz. Wollen. Auch wenn es weh tut.

Zweite Halbzeit als Trainingsspiel unter Wettkampfbedingungen

Die zweite Hälfte wurde für uns eine Art mutiges Trainingsspiel. Wir probierten aus, wir suchten Lösungen, wir testeten neue Abläufe in Abwehr und Angriff. Das gab uns im Trainerteam wertvolle Rückmeldungen für die kommenden Wochen. Am Ende steht ein 41:30. Viel zu viele Gegentore – keine Diskussion. Meine Torhüterin Maja Wehner tat mir ehrlich leid. Sie wurde viel zu oft allein gelassen und musste Situationen ausbaden, für die sie nichts konnte. Aber es gibt auch Lichtblicke: 30 eigene Tore – mit dieser personellen Not – sind ein Ausrufezeichen. Ein Zeichen von Mut, Charakter und Spielfreude. Trotzdem bleibt: Über zehn technische Fehler sind einfach zu viel.

Fazit: Eine schmerzhafte erste Hälfte – und eine Mutprobe in der zweiten.

Die erste Halbzeit waren die 10 Minuten einfach zum Vergessen. Hauptbaustelle bleibt unser Rückzug. Die zweite Hälfte jedoch zeigte, wozu wir trotz aller Rückschläge imstande sind: Wir haben uns gewehrt, gearbeitet, ausprobiert – und als Team zusammengestanden.

Blick auf das letzte Spiel des Jahres

Jetzt wartet am kommenden Wochenende das letzte Spiel im Kalenderjahr. Zum Lichtelfest-Samstag empfangen wir die HSG Neudorf/Döbeln – einen alten Bekannten, der uns sicher nichts schenken wird. Mit 5:15 Punkten stehen sie direkt hinter uns. Mit einem Sieg könnten wir den Abstand wieder auf vier Punkte ausbauen. Der Druck liegt auf beiden Seiten – aber wir gehen mit Herz und Kampfgeist in dieses letzte Spiel.

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